Bericht vom 5. Arbeitstreffen

Am Abend des 26. Mai angekommen besichtigten wir Olsztyn (Allenstein) und seinen mittelalterlichen Stadtkern. Die ehemals kleine Provoinzstadt erfuhr nach dem zweiten Weltkrieg und der Zerstörung von Königsberg ein enormes Wachstum, so dass dort heute 200.000 Menschen leben. Wir erfuhren wieder viel von der Geschichte, hier nur ein paar kleine Bruchstücke: Alle Städte in den Masuren sind mittelalterlichen Ursprungs und nur 5 % der heutigen Ortschaften entstanden später. Ernland, zu dem Olsztyn gehört, ist katholisch, während die Masuren evangelisch geprägt sind, doch nach der starken Einwanderungswelle nach Ende des Zweiten Weltkrieges schrumpfte die evangelische Gemeinde enorm zusammen und die Gegend wurde weitgehend katholisch. Auf der Burg in Olsztyn lebte Kopernikus für 20 Jahre und erarbeitete das Wissen, dass die Erde sich um die Sonne drehte. Erst viel später und kurz vor seinem Tod jedoch veröffentlichte er sein Werk. Wir sind sehr freudig, so geschichtskenntnisstarke Lernpartner an unserer Seite zu wissen und so viel über die Geschichte der jeweiligen Länder wie auch ihrer langen gemeinsamen Vergangenheit zu lernen.

Olsztyn2Kopernikus

Bei diesem letzten Arbeitstreffen bei der Fundacja Rodowo (PL) stand die Evaluation der gesamten Lernpartnerschaft im Mittelpunkt. Die Ergebnisse wurden zusammengetragen, die Ziele reflektiert und eruiert, was jeder Partner aus dem Projekt für sich gelernt hat.

Die Umfrage über den Bedarf eines europäischen Dachverbandes brachte vor allem das Interesse an einem internationalen Wissenstransfer und einer wissenschaftlichen Erforschung der Erlebnispädagogik zu Tage. Die europäische Vernetzung der Erlebnispädagogen ist schon weit mehr im Gange, als es den Lernpartnern zu Beginn des gemeinsamen Projektes bewusst war. Die Fundacja Rodowo integrierte gefördert durch die Lernpartnerschaft als einer der Vorreiter in Polen erlebnispädagogische Methoden stärker in ihre Arbeit. Drudel 11 entdeckte neue Möglichkeiten für die Struktur und Kommunikation in ihrer Organisation. Der ELAN e.V. entwickelte inspiriert durch Drudel 11 ein Ausbildungsprogramm für Erlebnispädagogen. Zahlreiche kleine Erkenntnisse säumen den Weg der Lernpartnerschaft: Neue Spiele, neue Methoden, Tipps für die eigene Organisation, für Öffentlichkeitsarbeit, Ideen für neue Konzepte und Zielgruppen und nicht zuletzt die Motivation stärker in einem internationalem Kontext zu arbeiten. Genaueres ist dem Protokoll zu entnehmen.

Arbeitstreffen Rodowo

[hier bei dem Ersten Treffen in Rodowo 2013]

Allen Lernpartnern wurde neben dem fachlichen Austausch zudem immer wieder bewusst, wie bedeutsam und wie wundervoll eine interkulturelle Verständigung ist. Das Verständnis von Menschen aus anderen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten, wenngleich die Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen überwiegen, führt zu Verständnis, Offenheit und Abbau von Vorurteilen. Vor dem Hintergrund der Geschichte der beteiligten Länder erschien die Lernpartnerschaft immer wieder als ein kleiner Baustein zur Friedensarbeit, denn der Frieden zwischen den Ländern wird viel getragen durch persönliche Beziehungen.

Am Ende der Lernpartnerschaft schauen wir auf eine aufregende und lehrreiche gemeinsame Zeit zurück. Das Ende der Lernpartnerschaft bedeutet den Anfang von einer neuen Phase unserer Kooperation. Gemeinsame Projekte und weiterhin der Transfer von Wissen und Erfahrung werden die Zukunft prägen. Und es bleiben die Erkenntnisse für unsere jeweilige Arbeit, die Erinnerungen an die freundschaftlichen schönen Momente und die Dankbarkeit für die Möglichkeit eines solchen Austausches.

Für alle Interessierten, empfehlen wir unbedingt die bestehenden Möglichkeiten zu nutzen, in einen europa- wie weltweiten Austausch zu treten.

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Europaweite Umfrage zu einem europäischen Dachverband

Zu Beginn der Lernpartnerschaft war den Lernpartnern noch nicht bekannt, in welchem Ausmaß die Erlebnis- und Outdoor-Pädagogen in Europa bereits vernetzt sind. Durch den Austausch miteinander, Gespräche und Begegnungen mit anderen Erlebnispädagogen wurden Netzwerke, Kongresse und Verbindungen bekannt, an denen jeder anknüpfen sollte, der an einem internationalen Wissens- und Erfahrungsaustausch interessiert ist.

So war damit auch eine gute Basis geschaffen, der Frage nachzugehen, inwiefern es in Europa den Bedarf an einem europäischen Dachverband für Erlebnispädagogik gibt. Sind die Pädagogen interessiert an einem Wissenstransfer? Braucht es gemeinsame Qualitäts- und Sicherheitsstandards? Wieviel Ressourcen stünden überhaupt zur Verfügung?

Hier kann die Umfrage angeschaut werden.

Stichprobe:

52 deutschssprachige Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und Schweiz, 29 englischsprachige Teilnehmer aus verschiedenen Ländern, zudem zahlreiche Gespräche auf dem EEE-Kongress

Ergebnisse:

Die Teilnehmenden sind in der Mehrheit eher kritisch gegenüber einem europäischen Dachverband. Dies liegt zum einen an einer Angst vor noch mehr Bürokratie, Bevormundung und Einschränkung der pädagogischen Freiheit, wenngleich Sicherheitsstandards auch als sinnvoll erachtet werden, sofern sie nicht zu überzogen sind. Zum anderen liegt es daran, dass selbst bei einem Erkennen von sinnvollen Gründen für die Existenz eines Dachverbandes die Ressourcen in der eigenen Person bzw. in der eigenen Organisation als sehr gering eingeschätzt wird.

Den Nutzen eines Dachverbandes für sich persönlich und für die eigenen Organisationen wird vor allem in zwei Bereichen gesehen: die Organisation des Wissenstransfers zwischen den Ländern und die Erforschung und wissenschaftlichen Fundierung der erlebnispädagogischen Arbeit. Auch könnte ein solcher Dachverband eine Schnittstelle zur EU-Politik sein und zum einen auf direkten Weg über Änderungen in der Bildungspolitik, welche die pädagogische Arbeit betreffen informieren wie auch anders herum als Lobbystelle und Interessenvertretung für die Erlebnispädagogen fungieren.

Als Fazit aus der Umfrage lässt sich ziehen, dass ein europäischer Dachverband außerhalb des zur Zeit Machbaren liegt. Doch das Interesse an einem internationalen und interkulturellem Lernen und Erfahrungsaustausch ist sehr hoch.

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Europäische Vernetzung von Erlebnispädagogen

Ein Ziel unserer Lernpartnerschaft war die Diskussion über bzw. Vorbereitung der Gründung eines europäischen Fachverbandes für Erlebnispädagogik analog der nationalen Fachverbände. Im Laufe unserer Lernpartnerschaft stellten wir jedoch zum einen fest, dass die Wegbereitung einer Gründung eines Fachverbandes unsere vorhandenen Ressourcen übersteigt und wir lernten zudem bereits vorhandene Strukturen der europäischen Vernetzung kennen, an denen angeknüpft werden kann.

Hier stellen wir in Kürze die vorhandenen Gruppen und Netzwerke vor:

  • EEE-Kongress: „Experiential Educators Europe“ ist eher ein kleines, europäisches Vernetzungstreffen von Menschen, die im weiten Bereich des Erfahrungslernens und handlungsorientierten Lernens arbeiten, also kein reines Erlebnispädagogen-Treffen. Tobias Kamer von Drudel 11 besuchte dieses im Mai das zweite Mal, erfuhr dort noch von weiteren europäischen Strukturen, führte Diskussionen über die Lernpartnerschaft und über den Sinn eines europäischen Dachverbandes (s.o.) http://eeeurope.org/
  • EOE Network: Das „European Institute for Outdoor Adventure Education and Experiential Leaning“ ist ein europaweites Netzwerk an Sozial- und Jugendarbeitern, Lerhrern, Pädagogen und Akademikern. Sie betreiben seit 1996 ein Institut, welches die Weiterentwicklung von Theorien und pädagogischen Standards vorantreibt, eigene Forschungen unternimmt und durch die Organisation von Konferenzen, transnationalen Projekten und Evaluationen die Vernetzung der Szene fördert. eoe-network.eu und https://www.facebook.com/pages/Crossroads-School-Environmental-and-Outdoor-Education-EOE/150572411641333
  • International Academy of Experiential Education „Via Experientia“: Ist ein informelles Netzwerk von Organisationen und Experten, welche die Weiterentwicklung von Theorie und Praxis im Bereich des Erfahrungslernens betreibt. Das Projekt ist das Eregbnis eines abgeschlossenen Lernpartnerschaftsprojekt (142204-2008-LLP-LT-GRUNDTVIG-GMP) von 7 Ländern zum Thema Erlebnis-Therapie. http://www.viaexperientia.net/
  • linkdin-Gruppe: „Experiential Educaors Europe“ ist eine internationale Gruppe in dem sozialen Netzwerk mit 283 Menschen bzw. Unternehmen als Mitgliedern. https://www.linkedin.com/topic/experiential-education
  • XING-Gruppe: „Outdoor Training“ ist eine in dem sozialen Netzwerk, die zwar deutschsprachig ist, aber nicht nur aus Deutschland kommenden Mitgliedern besteht. Die Gruppe hat 1929 Mitglieder. https://www.xing.com/communities/groups/outdoor-training-1066608?sc_o=b5178_20_601
  • Polen: In Polen gibt es wohl doch noch die ein oder andere Organisation mehr, die uns vor der Lernpartnerschaft noch nicht bekannt war. Wahrscheinlich noch viel mehr.
    • „Exprofesso“ bietet zwar keine reine Erlebnispädagogik an, enthält jedoch in ihren für Unternehmen angelegten Teamtrainings auch erlebnis- bzw. spielpädagogische Elemente. Anscheinend bieten sie auch eine Weiterbildung für Outdoor Education an. http://www.exprofesso.pl/
    • School of Active Recreation „Frajda” ist ein Bildungszentrum für nonformale Bildung, die für Jugendliche verschiedene Angebote mit erlebnispädagogischen Methoden durchführen. Ihre Managerin ist Teil des EOE-Netzwerkes. http://www.frajda.com.pl/en/

 

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Bericht vom 4. Arbeitstreffen in Erfurt

Wie schon ein Jahr zuvor trafen sich die Partner der Lernpartnerschaft im weihnachtlich-gemütlichen Erfurt. Der ELAN e.V. (D), die Fundacja Rodowo (PL) und Drudel 11 (CH) treten nun in die letzte Phase ihres Austausch- und Lernprojektes. Nachdem der Sommer für mehrere gegenseitige Hospitationen genutzt wurde, stand dieses Treffen unter dem Stern, das Projekt im Gesamten zu überblicken, die Ziele und deren Entwicklungsstand zu diskutieren sowie die kommenden Aufgaben zu klären.

 

Vor dem Erfurter Dom

Vor dem Erfurter Dom

Eine kleine Runde zu Beginn zu der Frage, was sich bei den Organisationen getan hat und was im kommenden Jahr ansteht, war sehr erfreulich. Denn allen Partnern geht es recht gut und neue Entwicklungen bringen frischen Wind und neue Chancen mit sich. Teils sind die Entwicklungen bereits Ergebnisse der Lernpartnerschaft. Dies wird am stärksten bei der Fundacja Rodowo sichtbar. Bei ihnen bildet sich ein Team, welche die Erlebnispädagogik in den Angeboten der Fundacja umsetzen möchte. Eine Kooperation mit der Universität Olsztyn führt sehr wahrscheinlich zu dem ersten Hochschulfach Erlebnispädagogik in Polen. So liegt ein deutlicher Erfolg in der Lernpartnerschaft, in Polen die Erlebnispädagogik in ihren Anfängen zu unterstützen und zu befördern.

Eine Bestandsaufnahme und Diskussion der mit dem Projekt angestrebten Ziele kam unter anderem zu folgenden Ergebnissen.

  • Eine europäische Vernetzungsplattform für Erlebnispädagogen zu schaffen, liegt nicht in der Macht der Partner und der Projektblog eignet sich dafür nicht. Eine neue Plattform mit bereits über 300 internationalen Mitgliedern und vielen Diskussionen besteht bereits tatsächlich und braucht nicht mehr von der Lernpartnerschaft geschaffen werden. Zu finden unter: https://www.linkedin.com/groups/Experiential-Educators-Europe-2439715
  • Die Vorbereitung einer Gründung eines europäischen Fachverbandes für Erlebnispädagogik wird von den Partnern durch eine Umfrage vorangebracht werden. Diese Umfrage soll sowohl den Bedarf als auch die Kapazitäten zur Umsetzung unter Erlebnispädagogen in Europa erheben. Damit wird die Frage zunächst beantwortbar, wie sinnvoll ein solcher Fachverband auf europäischer Ebene überhaupt empfunden wird.
  • Durch die Teilnahme an den Kongressen EEE und e&l wurde Sinn und Nutzen von Kongressen diskutiert. Da die Lernpartner verschiedene Kritikpunkte an den bestehenden Kongressen haben, werden verschiedene Ideen für neue Kongresse verfolgt. Ein wissenschaftlicher Kongress könnte durch fachliche Fundierung wie auch Kritik der Erlebnispädagogik diese voranbringen wie auch für eine stärkere Anerkennung in Politik und Gesellschaft mit sich bringen. Zugleich wären Regionaltagungen sinnvoll wieder zu beleben, um regionale Vernetzungen und Kooperationen zu fördern.

Insgesamt zeigten sich die Partner mit der Entwicklung ihres Projektes recht zufrieden. Für die anstehende letzte Projektphase bis zum Sommer werden noch weitere Hospitationen durchgeführt werden. Und ein finales Arbeitstreffen im Mai in Rodowo wird das Ende des Projektes vorbereiten.

Wie bei jedem Treffen steht das kulturelle Kennenlernen und Begegnen nicht hintenan. So wurde der Weihnachtsmarkt zwei Mal besucht, der Erfurter Dom besichtigt und eine urige Erfurter Kneipe aufgesucht.

Erfurter Weihnachtsmarkt

Erfurter Weihnachtsmarkt

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ELAN hospitiert bei Drudel 11 Schweiz

Der komfortable Rütihof auf dem Engelberg bei Muhen (Kanton Aargau) bei herbstlichem Sonnenschein und Hochnebel: Dort hospitierte eine Mitarbeiterin des ELAN e.V. bei dem Lernpartner Drudel 11 und schaute den Trainern bei ihrer Arbeit über die Schulter.

Herbstwald

Herbstwald

Vom 06. Bis zum 09. November fand da ein Modul der zweijährigen TEO-Ausbildung zum Erlebnispädagogen statt. Inhalte dieses Moduls mit dem Namen Methodenkurs II waren Grundlagen der Kommunikation, Reflexionsmethoden, Naturwahrnehmungsübungen, Niedrigseilaufbauten und das Thema der Sicherheit in erlebnispädagogischen Angeboten. Der Vergleich der Arbeitsweise von Drudel 11 mit ELAN e.V. erbrachte unterm Strich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede, weil sich Erlebnispädagogen in der Schweiz und in Deutschland letztlich auf dieselben pädagogischen Traditionen berufen, die gleichen Vordenker und Autoren und sogar dieselbe Fachliteratur benutzen. Die festgestellten Unterschiede kommen nach Meinung der Hospitantin Kirsten Limbecker eher wegen den je eigenen Traditionen der Organisationen zustande, als dass sie durch kulturelle Unterschiede bedingt sind. So ist es z. B. mal ein kleines Spiel, welches der Hospitantin nicht bekannt war, doch die Struktur selbst, mit Warming-Up-Spielen den Tag oder einen Inhaltsblock zu beginnen, ist gleich. Auch im Bereich der Naturwahrnehmungen und dem Aufbau von Niedrigseilelementen sind viele Übungen gleich oder zumindest sehr ähnlich. Unterschiede gibt es höchstens in der Benutzung bestimmter Materialien (z. B. Slacklines statt Kletterseile).

Beim Methodenkurs 2 der TEO-Ausbildung von Drudel 11

Angehende Erlebnispädagogen

Am augenfälligsten ist der Unterschied in der Organisation der Ausbildung an sich. Drudel 11 organisiert die Ausbildung eher als eine Weiterbildung und befähigt die Menschen, in je eigenen Kontexten erlebnispädagogisch zu arbeiten. Die Teilnehmer_Innen sind auch im Durchschnitt älter als die Lernenden beim ELAN e.V. und arbeiten bereits in einem sozialen oder pädagogischen Kontext. Beim ELAN e.V. ist die Ausbildung stärker mit einer Bindung an den Verein verbunden, hier erhält sie mehr den Charakter einer Mitarbeiterausbildung. Dieser Unterschied ist jedoch auch eher auf die Unterschiede der Organisation zurückzuführen als dass sie ein typisch deutsches bzw. schweizerisches Phänomen darstellen.

Beim Methodenkurs 2 der TEO-Ausbildung von Drudel 11

Niedrigseilaufbauten

Die festgestellten Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden dann in einem kommenden Arbeitstreffen Mitte Dezember in Erfurt weiter diskutiert. Auch werden dann die Möglichkeiten im Fokus stehen, beim dritten Lernpartner – der Fundacja Rodowo – erlebnispädagogische Methoden stärker zu implementieren.

Autorin: Kirsten Limbecker (ELAN e. V.)

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Wiedertreffen beim e&l-Kongress

Auf dem internationalen, deutschsprachigen Kongress „Erleben und Lernen“ in Augsburg trafen sich am an dem Wochenende vom 26.-27. September fünf ELANerinnen und ELANer mit fünf Vertretern von Drudel 11 (Schweiz). Der dritte Teil der Lernpartnerschaft – die polnische Fundacja Rodowo – konnte leider nicht anreisen. Und ein gemeinsam geplanter und vorbereiteter workshop mit dem Titel „Bonzen, Gauner, Paragraphenreiter – willkommen auf dem Jahrmarkt der interkulturellen Stereotypen“ brachte leider zu wenige Anmeldungen ein, weswegen er abgesagt werden musste. Dennoch kamen für die Lernpartnerschaft einige spannnende Ergebnisse und Anregungen zusammen.

Über Gespräche mit Interessierten und das Auslegen von Informationsblättern wurde die Lernpartnerschaft als Lernform wie auch als konkretes Lernprojekt bekannt gemacht. In dem Wiedertreffen und teils auch neuem Kennenlernen zwischen ‚ELANern‘ und ‚Drudlern‘ wurden die persönlichen Bande weiter vertieft und ein weiterer reger Austausch über die Arbeitsweise, Haltung und Methoden der jeweiligen Arbeit fand statt. Gefasst wurden Ideen und Pläne für den weiteren Verlauf z.B. über kommende Hospitationen und die nächsten Arbeitstreffen.

Inhaltlich am interessantesten war die Kongressteilnahme an den Stellen, wo die Vielfalt und auch Internationalität der Teilnehmenden Antworten für die Fragen der Lernpartnerschaft brachten. Im (europäischen) Vergleich der Erlebnispädagogik lässt sich festhalten, dass die Methoden mittlerweile in vielen Arbeitsbereichen eingesetzt werden und die Erlebnispädagogik selbst Methoden aus anderen Arbeitsfeldern integriert. Dies betrifft u. a. die erlebnispädagogische Ergänzung von Therapien, in denen psychisch Erkrankte (z. B. Depression, Burnout) durch Erlebnisse aus ihren Begrenzungen heraustreten können und Erfahrungen von Freiheit, von Selbstwirksamkeit und Tatenkraft machen, die ihnen helfen sich schneller zu kurieren. Gleichzeitig gelangen Methoden z. B. aus dem Coaching und der Beratung bei Lebenskrisen oder Übergängen als Reflexionsmethoden in die erlebnispädagogische Arbeit. Die empirische Fundierung der Wirksamkeit von Erlebnispädagogik beginnt auch im deutschsprachigen Raum zu wachsen, während die Forschungsergebnisse aus Kanada und den USA bereits fortgeschritten sind und die Wirksamkeit der Methoden des handlungsbasierten Erfahrungslernen tatsächlich bestätigen. Interessant waren auch Vergleichsbeispiele zwischen verschiedenen Ländern und dem jeweiligen Verständnis erlebnispädagogischer Methoden. So wurde von einem Beispiel berichtet, wie die Selbstorganisation von Gruppen bei Problemlösungsaufgaben bei einem russischen Anbieter eher den Charakter einer vom Pädagogen angeleiteten Lösungsfindung annimmt als es in der deutschen Erlebnispädagogik üblich ist, die Gruppe sich selbst zu überlassen und auch scheitern zu lassen. Ob dies ein Einzelfall oder tatsächlich ein kultureller Unterschied ist, bleibt noch zu verfolgen.

Auf die Kongressfrage „Quo vadis? Zwischen Anpassung und Abenteuer“ gibt es viele Antworten, bietet die Erlebnispädagogik wegen ihrer gegenwärtigen Pluralität doch verschiedene Stränge der Weiterentwicklung. Die Professionalisierung und zunehmende Standardisierung bringt zwar eine größere Verlässlichkeit jedoch auch gleichzeitig die Sorge, die organische, intuitive Freiheit der Erlebnispädagogik und die menschlich ermessenen Spielräume abseits von Normierung zu verlieren. So war bei aller Bedeutung der Sicherheit im pädagogischen Kontext immer wieder der Mut zum Risiko (z. B. bei Touren durch die Natur) zugunsten besonderer und prägender Erlebnisse ein starkes Plädoyer, der sich durch den Kongress zog. Exemplarisch für übertriebene Sicherheit stand die Geschichte eines Baumes auf einem Schulhof, der zum Sicherheitsrisiko wurde und gefällt werden musste, weil ein Kind darauf geklettert war und herunterfiel. Ein ebensolcher Widerspruch zeigte sich in der Diskussion um die Berufswege. Bei gleichzeitiger Befürwortung von professionalisierter Ausbildung und Vergleichbarkeit wurde die Offenheit für Quereinstiege und damit die Vielfalt in der erlebnispädagogischen Szene, wie sie eher in der Ursprungszeit herrschte, von Teilnehmenden betont. Mensch darf also gespannt sein, ob die Anpassung an die Gesellschaft und ihrer Kultur der Bürokratisierung, Normierung und Absicherung oder ob in Zukunft doch noch viele Abenteuer und unerwartete Wege die Arbeit der Erlebnispädagogen prägen wird.

Der Kongress brachte also viele Denkanstöße für das Lernpartnerschaftsprojekt wie auch für die Arbeit des ELAN e. V., die hier nicht alle benannt sind, aber in die Vereins- und Projektarbeit integriert und weitergetragen werden. Auch die Seite des Kongresses enthält (hoffentlich bald, wie angekündigt) noch weiterführende Gedanken und Dokumentationen für die Interessierten.

Kirsten Limbecker, ELAN e. V.

Ein subjektiver Bericht, der nur ein Ausschnitt sein kann

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GRUNDTVIG: Erste Hospitation in der Schweiz

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Mit einer Hospitation bei unserem Schweizer Lernpartner Drudel 11 wurde die zweite Phase unserer zweijährigen Lernpartnerschaft im Rahmen des EU Förderprogramms GRUNDTVIG eröffnet. Vom 25.-29.08.2014 war Stefan Linke vom ELAN e.V. zu Gast in Le Serment (Ch). Er nahm dort an einer Weiterbildung für die höhere Fachschule teil und beobachtete Tobias Kamer von Drudel 11 (Ch) bei seiner Arbeit. Dabei konnte er viele Gemeinsamkeiten in der Arbeitsweise und der Auswahl der Methoden feststellen. Ein handlungsorientierter und aktiver Einstieg ins Kursprogramm, etwa mit dem Bau einer Murmelbahn, oder das Aushandeln gemeinsamer Umgangsregeln sind auch in der Arbeit des ELAN e.V. wesentliche Bestandteile.

Dennoch wurden auch unterschiedliche Ansätze insbesondere in puncto Gruppenselbststeuerung deutlich, die sicher als Themen in der noch anstehenden letzten Phase eingehender besprochen und reflektiert werden können.

Ein weiterer Hospitaionstermin vom ELAN e. V. bei Drudel 11 ist für November geplant.

Verfasser: Stefan Linke (ELAN e. V.)

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